Unsere Selbstdarstellung

Wir sind die Action Samba Band Berlin, Teil von Rhythms of Resistance (RoR), einem transnationalen Netzwerk von Bands, die Samba und andere Rhythmen einsetzen, um auf der Strasse für eine bessere Welt zu kämpfen.

Die Berliner Band gibt es seit Juli 2004 als selbstorganisierte Gruppe von etwa 30 Leuten in wechselnder Besetzung. Sie sieht sich in der Tradition der Afro-Block-Trommelgruppen, die in den 1970er Jahren in Brasilien aufkamen. Diese entwickelten sich aus den ärmsten Stadtteilen und wurden zu einer Bewegung des Widerstandes und einer Quelle des Selbstvertrauens. Wir bauen auf dieser Aktionsform auf, sind uns aber im Klaren darüber, dass das Ausmaß und die Struktur dieser Ausbeutung und Unterdrückung nicht vergleichbar sind mit unserer westlichen Realität.

Aber auch unsere Realität ist geprägt von einer Verschlechterung der Lebensbedingungen. Eine Verschlechterung, die nicht ohne Grund passiert. Sie ist Folge der Zuspitzung der kapitalistischen Verhältnisse, in denen es nicht um Menschen, ihre Bedürfnisse, Wünsche und Träume geht, sondern um das Ansammeln von möglichst viel Kapital in möglichst kurzer Zeit. Menschen werden nach ihrem Wert in der kapitalistischen Verwertungslogik beurteilt und lebenswichtige Dinge, wie Umwelt, Bildung, Kultur und soziale Beziehungen zu Waren herabgesetzt. Immer mehr Aspekte unseres Lebens werden der kapitalistischen Wirtschaftsordnung untergeordnet, während Millionen von Menschen hier und weltweit rausfallen und überflüssig werden.

Überall auf der Welt, besonders aber in den wenig industralisierten Ländern, steigt die Zahl der Menschen, die unterhalb des Existenzminimums leben müssen. Die daraus resultierenden Migrationsbewegungen werden von Europa mit schärferen Grenzkontrollen und Auffanglagern vor der Grenze beantwortet. Die aber, die es bis nach Deutschland schaffen, sind unmenschlichen Gesetzen wie Residenzpflicht und Arbeitsverbot ausgesetzt. Wir wollen sie in ihrem Kampf um ein besseres Leben unterstützen. Unter den kapitalistischen Bedingungen leiden wir alle - manche jedoch mehr als andere. Doch wir können auch alle auf verschiedenste Weise daran mitwirken, dieses System nach und nach durch ein besseres zu ersetzen! Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der alle ein schönes Leben haben können!

Wir glauben, dass wirkliche soziale und politische Gerechtigkeit im Großen nur dann erreicht werden kann, wenn auch wir anders und besser miteinander umgehen. Deshalb gibt es bei uns keine AnführerIn. Wir wollen Freiräume schaffen, in denen es uns möglich ist, Hierarchien zu bemerken und zu bekämpfen. Deshalb trifft die Gruppe alle Entscheidungen im Konsens. Jede/r soll das Vorgehen mittragen und gestalten können, ohne über ihre eigenen Grenzen zu gehen.

Wir sind Menschen mit der Sehnsucht nach Veränderung und einem Miteinander. Wir wollen eine Welt, in der Kategorien wie Volk, Rasse, Geschlecht, Religion und Nation keine Rolle spielen. Doch überall auf der Welt werden Menschen in Kategorien eingeteilt. Diese Kategorien haben sich über die Zeit verändert: immer jedoch dienen sie dazu, ein Innen und ein Außen zu schaffen, ein Wir und die Anderen: Mann/Frau, schwarz/weiß, deutsch/Ausländer, globaler Norden/globaler Süden. Das Wir schweißt zusammen, lässt KritikerInnen verstummen, bringt in Stellung. Du bist Deutschland, also halt die Klappe, schnall den Gürtel eng und mecker nicht. Die Trennung zwischen 'Uns' und 'den Anderen' legitimiert Verhältnisse, die sonst als Ausbeutung und Ungerechtigkeit sichtbar wären: Umweltzerstörung und Sozialabbau im Namen des nationalen Standortwettbewerbs, ein rassistisches Migrationsregime in Europa, patriarchale Strukturen allenthalben...

Mit Samba wollen wir solche Kategorien unterlaufen, karikieren und sowohl innerhalb unserer Band als auch nach außen bekämpfen. Unsere Musik ist für uns innerhalb einer Vielfalt von Aktionsformen eine kreative, lustvolle und spontane Möglichkeit, den Kampf für eine bessere Gesellschaft zu führen und zu unterstützen.

Dabei will die Sambaband Akteurin und nicht Begleiterscheinung sein. Wir spielen auf Demos, Kundgebungen, direkten Aktionen, Straßenfesten sowie Besetzungen. Wir waren G8-Gipfel stürmen, Genfelder befreien, Naziaufmärsche verhindern ... beim Euromayday, antirassistischen Einkauf, gegen Hartz IV, Castor stoppen, Solidarität mit politischen Gefangenen, Abschiebeknäste schliessen, gegen Studiengebühren, Bundeswehr abschaffen, Derail WTO, Yorck59 bleibt!